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Rückblick für die Woche vom 22. bis 28. September 2008

Montag, 22. September: Nach einem Wochenende mit der Familie zu Hause in Morsum auf Sylt beginnt meine Woche um 05.30 Uhr. Ich kann noch kurz die Kinder wecken, bevor ich um 06.34 Uhr mit dem Zug ab Morsum nach Berlin fahre. Um 12.00 Uhr erreiche ich mein Büro, erledige kurze Besprechungen mit meinen Mitarbeitern und treffe anschließend einen Unternehmer aus meinem Wahlkreis, der an einem Unternehmertag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion teilgenommen hatte. Alle Abgeordneten hatten die Möglichkeit, eine kleine Zahl von Unternehmern zu dieser Veranstaltung einzuladen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Glos standen dort als Gesprächspartner zur Verfügung. Angesichts der aktuellen Situation auf den Finanzmärkten, aber auch der Diskussion über Erbschaftssteuerreform und Mindestlöhne gab es viele spannende Diskussionen und Gespräche am Rande. Die Unternehmer nutzten die Möglichkeit, ihre Anliegen direkt insbesondere mit der Kanzlerin zu besprechen. Nach der Veranstaltung erfuhr ich insbesondere viel Lob für das engagierte und kenntnisreiche Auftreten von Angela Merkel.

Meinen Gast aus dem Dithmarscher Teil meines Wahlkreises führte ich anschließend noch durch das Reichstagsgebäude rund um den Plenarsaal herum. Dies ist für alle Besucher immer wieder ein besonderes Erlebnis.

Von dort beeilte ich mich, noch gerade rechtzeitig um 14.00 Uhr zu einem Fachgespräch „Biogas“ in der schleswig-holsteinischen Landesvertretung zu kommen. Umweltminister Christian von Boetticher hatte Vertreter mehrerer Bundesministerien und der übrigen Länder sowie der Bundestagsfraktionen eingeladen, um über eine spezielle Problematik in der Folge der Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes zu diskutieren. Konkret geht es um eine Regelung, die rückwirkend für bestehende Anlagen die Einspeisevergütung zum Teil drastisch reduziert. Diese Anlagen kommen jetzt in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Meine Fraktion hatte sich bereits im Gesetzgebungsverfahren für eine Übergangslösung zu Gunsten der Altanlagen eingesetzt. Das Bundesumweltministerium widersprach einer solchen Zielsetzung. Nunmehr ist damit zu rechnen, dass die Bundesländer eine Bundesratsinitiative starten werden, die ich gerne anschließend im Bundestag unterstützen möchte.

Von 16.00 bis 18.00 Uhr: Büroarbeit. 18.30 Uhr bis 20.00 Uhr: Sitzung der Landesgruppe der acht schleswig-holsteinischen CDU-Abgeordneten. Diesmal hatten wir keinen Gast, sondern diskutierten die aktuellen Themen, die zurzeit in den Fraktionsgremien beraten werden. Ich hatte es übernommen, über die Planungen zum Umweltgesetzbuch zu berichten. Dieser Gesetzentwurf ist strittig, da der Umweltminister neue umweltrechtliche Standards auf das bestehende Recht aufsatteln möchte. Wir sind nur bereit, ein Umweltgesetzbuch mitzutragen, wenn es auch die eigentliche Zielsetzung erreicht, nämlich Verfahrensabläufe einfacher und schlanker zu gestalten. Dazu soll insbesondere eine integrierte Vorhabengenehmigung dienen, die bisher getrennte Genehmigungsverfahren des Immissionsschutzrechtes und des Wasserrechtes in einen Verfahrensgang zusammenfasst. Ich wehre mich insbesondere dagegen, dass Maßnahmen zur Entbürokratisierung, die die CDU in der großen Koalition in Kiel über das Landesnaturschutzgesetz gerade durchgesetzt hat, jetzt durch Bundesrecht von oben neu aufgedrückt werden.

Nach der Landesgruppensitzung nutzte ich die Ruhe im Büro bis 23.30 Uhr, um Post und Unterlagen zu lesen.

Dienstag, 23. September: Mein Dienstag beginnt immer um 08.00 Uhr mit der Arbeitsgruppe Kommunalpolitik. Diesmal haben wir den Parlamentarischen Staatssekretär aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, meinen Fraktionskollegen Herrn Hermann Kues, zu Gast. Er berichtet über das Kinderförderungsgesetz, mit dem der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen für Kinder unter 3 Jahren vorangebracht wird. Hierfür setzt der Bund 4 Mrd. Euro zusätzliche Bundesmittel ein. Hermann Kues bestätigt, dass Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz die einzigen Bundesländer sind, die die notwendige Umsetzung durch Landesrichtlinien noch nicht geschafft haben. Dies liegt in der Verantwortung der zuständigen SPD-Ministerin in Kiel. Ich berichte in der Diskussion, dass viele Kommunalpolitiker in meinem Wahlkreis darauf drängen, endlich loszulegen mit dem Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, weil dies ein wesentlicher Standortfaktor geworden ist. Die Initiative unserer Bundesministerin Ursula von der Leyen wird deshalb ausdrücklich begrüßt. Das Kinderförderungsgesetz soll am Freitag abschließend beraten und beschlossen werden.

Anschließend geht es nach kurzer Stippvisite im Büro (ich schnappe mir die Presseauswertungen, die ich in der nächsten Sitzung lese) und gehe weiter zur Sitzung der Arbeitsgruppe Umwelt. Hier berichte ich über das Gespräch vom Vortag zum Thema Biogasanlagen. Ich muss die Sitzung vorzeitig verlassen, um rechtzeitig um 11.00 Uhr in der Arbeitsgruppe Finanzen zu sein, die in einem anderen Gebäude tagt. Deren Vorsitzender Otto Bernhardt hatte mich eingeladen, um über das Thema der Gewerbesteuerzerlegung bei Windparks zu berichten. Dabei geht es um die Konsequenzen aus einem Urteil des Bundesfinanzhofes vom 04. April 2007. Dieses Urteil hat die bisherige Praxis der Finanzverwaltung verworfen, dass die Gewerbesteuer zwischen der Gemeinde, in der die Windparks stehen, und der Gemeinde, in der die Betreibergesellschaft ihren Sitz hat, in etwa hälftig geteilt wird. Nunmehr darf eine Teilung nur noch nach der Lohnsumme erfolgen, mit der Folge, dass die Standortgemeinden der Windparks keine Gewerbesteuer mehr erhalten. Damit gibt es kein Interesse mehr für Gemeinden, Flächen für Windparks zur Verfügung zu stellen – es sei denn, es handelt sich um Bürgerwindparks, in denen der Gesellschaftssitz in der Standortgemeinde liegt. Ich werbe für eine Gesetzesänderung im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2009, damit bereits zum Anfang nächsten Jahres eine gesetzliche Garantie für die Standortgemeinden eingeführt wird, einen Anteil an der Gewerbesteuer zu erhalten. Die schleswig-holsteinische Landesregierung in Verantwortung des CDU-Finanzministers Rainer Wiegard hatte bereits eine entsprechende Bundesratsinitiative gestartet, die am vergangenen Freitag dort mit Mehrheit beschlossen worden war. In der Arbeitsgruppe Finanzen erhalte ich überwiegend Zustimmung, während das Bundesfinanzministerium noch nicht überzeugt ist, sondern lieber an der bisherigen Gesetzessystematik festhalten möchte. Hier muss noch etwas Überzeugungsarbeit geleistet werden. Größere Probleme scheint es jedoch eher bei den Sozialdemokraten zu geben, bei denen der Einfluss aus dem SPD-geführten Finanzministerium größer ist.

Um 11.45 Uhr gehe ich in die vierte Arbeitsgruppensitzung dieses Vormittags: Arbeitsgruppe Tourismus. Wir bereiten kurz die Ausschusssitzung des folgenden Tages vor, an der ich jedoch nicht teilnehmen werde wegen anderer Terminverpflichtungen.

Aus dieser Sitzung geht es wieder zurück ins Büro. Hier habe ich noch kurz Gelegenheit für einige Telefonate, bevor ich Besuch bekomme. Dr. Grünwald vom Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag kommt zu mir. Ich hatte ihn um das Gespräch gebeten, da er Projektleiter für eine Studie zum Thema CCS (CO2-Abscheidung und –speicherung) ist. Dieses Thema interessiert mich besonders, da die Firma RWE-DEA eine Genehmigung beantragt hat, in Nordfriesland Untersuchungen anzustellen, ob CO2 in unterirdischen Gesteinsschichten abgespeichert werden kann. Dazu ist zunächst wichtige Sachaufklärung notwendig. Anschließend besucht mich ein alter Bekannter, Dr. Andreas Kannen, der sich mit dem Thema Integriertes Küstenzonenmanagement beim GKSS in Geesthacht beschäftigt. Er berichtet mir über die schleppenden Fortgänge der Behandlung dieses Themas auf Bundesebene.

Anschließend geht es vom Büro wieder zurück in den Reichstag zur Sitzung der Fraktion. Hier herrscht gespannte Stimmung, da wir den Präsidenten der Deutschen Bundesbank, Prof. Dr. Axel Weber, zu Gast haben. Er berichtet über die aktuelle Krise der Finanzmärkte. Einerseits beruhigt er, dass die Bankenstruktur in Deutschland sehr viel gefestigter als in den USA ist. Mit den drei Säulen privater Geschäftsbanken, der Sparkassen und der regional verankerten Genossenschaftsbanken sowie mit der Praxis längerfristiger Finanzierungen und einer konsequenteren Umsetzung von Basel II ist das deutsche Bankenwesen gegenüber Gefährdungen wie in den USA besser gerüstet. Andererseits schwappt die Finanzmarktkrise aus den USA zwangsläufig in alle Ecken der Welt, auch zu uns herüber. Am vergangenen Wochenende stand die US-Wirtschaft quasi direkt vor dem Kollaps. Dies führte zu der Entscheidung der US-Regierung, mit einer Staatsbürgschaft über 700 Mrd. Euro einzugreifen, um den völligen Kollaps zu verhindern. Der Bundesbankpräsident trug Vorschläge vor zur künftigen Regulierung der internationalen Finanzmärkte, die von unserer Fraktion aufgegriffen und von der Bundeskanzlerin in internationalen Verhandlungen durchgesetzt werden sollen. In der Fraktionssitzung wird durch den 1. Parlamentarischen Geschäftsführer Dr. Norbert Röttgen regelmäßig verlesen, welche Abgeordneten zu den einzelnen Tagesordnungspunkten für die Fraktion sprechen werden. Ich erhalte für Donnerstag einen Debattenbeitrag zu einem Antrag der Grünen, der sich mit den Munitionsaltlasten in der Nord- und Ostsee beschäftigt. Der Tagesordnungspunkt ist aber für die späte Nacht gesetzt, so dass die Rede zu Protokoll gegeben werden wird.

Nach der regulären Fraktionssitzung findet eine sog. Fraktionsoffene Sitzung statt, bei der ein Spezialthema mit Experten diskutiert wird. Diesmal steht das Thema „Russland“ auf der Tagesordnung. Der außenpolitische Berater der Bundeskanzlerin, Dr. Christoph Heusgen, gibt seine Einschätzung wider. Sehr offen berichtet er über die Abkehr der russischen Regierung vom Demokratisierungskurs, der unter Gorbatschow und in Teilen noch unter Jelzin zur Öffnung Richtung Westen geführt hatte. Die staatliche Kontrolle der Gesellschaft, der Medien und der Parteien hat inzwischen stark autoritäre Züge angenommen. Kritisch wird auch die militärische Expansionspolitik Russlands analysiert. Interessant ist, dass Dr. Heusgen aber auch über die Abhängigkeit Russlands vom Westen in wirtschaftlicher Hinsicht berichtet. Russland ist zurzeit nur deshalb so stark, weil es seine Energiereserven in den Westen exportiert und dadurch gewaltige Staatseinnahmen zu verzeichnen hat. Dieses Geld kann Russland wiederum im Westen investieren. Dies bringt auch eine Abhängigkeit von guten Verhältnissen mit dem Westen mit sich.

Nach einer Stunde geht es weiter zum „Berliner Abend“ des Deutschen Feuerwehrverbandes. Die Spitze des Feuerwehrverbandes hat die Bundestagsabgeordneten eingeladen, um ihre Anliegen zu präsentieren. Bundesministerin Ursula von der Leyen wird mit der höchsten Auszeichnung des Feuerwehrverbandes geehrt, da sie eine Initiative, Frauen für die Feuerwehr zu gewinnen, stark unterstützt hatte. Ich treffe insbesondere die Funktionsträger aus dem Landesverband der schleswig-holsteinischen Feuerwehr mit dem Vorsitzenden Herrn Radtke und seinem Stellvertreter Herrn Behrends. Immerhin kommt der derzeitige Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes Kröger auch aus Schleswig-Holstein.

Von dort fahre ich für eine Stunde zum Parlamentarischen Abend des Naturschutzbundes. Hier spreche ich mit dem Bundesvorsitzenden Olaf Tschimpke und vereinbare, dass wir uns in kürze über Themen des Meeresschutzes intensiver zusammensetzen wollen.

Um 21.00 Uhr kommt die letzte Besuchergruppe, 50 Schülerinnen und Schüler aus dem Nordsee-Gymnasium St. Peter-Ording, mit denen ich noch eine Stunde diskutiere bevor ich sie auf die Kuppel begleite. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass diese 15- und 16-jährigen Schülerinnen und Schüler nach einem ganzen Tag Programm in Berlin abends um 21.00 Uhr von Politik überhaupt nichts mehr wissen wollten. Umso überraschter war ich, wie interessiert sie meinen Schilderungen über die praktische Seite von Politik in Berlin zuhörten und anschließend engagiert diskutierten. Diese Gespräche mit jungen Leuten bringen immer wieder großen Spaß.

Mittwoch, 24. September: Mein Tag beginnt wieder um 08.00 Uhr mit einer Sitzung der Landesgruppe, diesmal zusammen mit dem Leiter der Landesvertretung Schleswig-Holstein, Dr. Bastian. Wir sprechen über die vergangene Bundesratssitzung vom vergangenen Freitag, bei der mehrere insbesondere mich berührende Themen auf der Tagesordnung gestanden hatten.

Um 09.00 Uhr bin ich kurz im Büro, schnappe mir wiederum die Presseauswertung zur Lektüre in der folgenden Sitzung, und gehe ins Paul-Löbe-Haus zur Sitzung des Umweltausschusses. Dort berichtet der Parlamentarische Staatssekretär Michael Müller aus dem Bundesumweltministerium über Verhandlungen auf europäischer Ebene zur Klimapolitik. In dieser Sitzung habe ich keine Berichterstattungen zu Tagesordnungspunkten über die beraten wird. Lediglich zu zwei Themen hatte ich eine schriftliche Stellungnahme abzugeben, die ohne Debatte abgestimmt bzw. zur Kenntnis genommen werden.

Eigentlich wollte ich nach der Umweltausschusssitzung zu einer Veranstaltung mit Expertengespräch zum Thema CCS gehen. Da die Fraktionsführung jedoch um gute Präsenz im Plenarsaal bat, da die Bundesregierung Stellung nehmen sollte zur Entwicklung der Deutschen Einheit, gehe ich ins Plenum. Nach der Regierungsbefragung zu diesem Thema will ich wieder zurück ins Büro. Kaum bin ich dort, erhalte ich die Nachricht, dass ein sog. „Hammelsprung“ angesetzt ist: Eine besondere Abstimmungsform, bei der alle Abgeordneten den Plenarsaal verlassen und beim Wiedereintritt in den Plenarsaal durch drei Türen (Ja, Nein, Enthaltung) gezählt werden. Also gehe ich wieder zurück zum Reichstag, nehme am Hammelsprung teil und gehe wieder zurück ins Büro. Dort habe ich gerade eine halbe Stunde Zeit für Büroarbeit, bevor ich wieder ins Paul-Löbe-Haus gehe zu einem Gesprächskreis des Innenausschusses mit Vertretern der vier autochthonen nationalen Minderheiten (Dänen, Friesen, Sorben, Sinti und Roma). Eine Stunde lang wird über Rassismus und Rechtsextremismus im Internet diskutiert – ein Thema, das zum Glück für die Friesen und Dänen im meinem Wahlkreis keine Relevanz hat. Ein weiteres Thema ist die Finanzierung der Minderheiten aus dem Bundeshaushalt, da der Bundeshaushalt für 2009 gerade in der parlamentarischen Beratung ist. Ich hinterfrage insbesondere das Projekt einer Organisationszentrale für die Friesen, das seit drei Jahren zwar in der Diskussion ist, aber nicht entscheidend vorankommt. Insbesondere das Land Schleswig-Holstein hat Probleme, einen aus Bundessicht angemessenen Finanzierungsbeitrag zu leisten.

Nach der Sitzung habe ich noch eine Stunde Zeit für Büroarbeit. Ich beschäftige mich insbesondere mit der Rede über Munitionsaltlasten, die ich am folgenden Tag zu halten bzw. zu Protokoll zu geben habe, und mit einer Rede über das EEG und Biogasanlagen, die ich in der folgenden Woche bei einer Konferenz in Frankfurt/M. halten soll.

Um 19.00 Uhr gehe ich zur Deutsch-Nordischen Parlamentariergruppe. Botschafter und Gesandte aus den nordischen Staaten nehmen an der Sitzung teil, in der wir uns insbesondere mit den Ergebnissen der Ostsee-Parlamentarier-Konferenz befassen, an der ich auch Ende August in Visby auf Gotland teilgenommen hatte. Am Rande der Veranstaltung spricht mich der Botschafter des dänischen Königreiches an, da das Thema „Dosenpfand“ im Grenzraum, also ausgehend von meinem Wahlkreis, in Dänemark für zunehmende Probleme sorgt. Ich sage zu, dieses Thema nochmals mit der Landesregierung in Kiel zu erörtern, da nach Auffassung des dänischen Botschafters dort eine Problemlösung erarbeitet werden könnte.

Punkt 21.00 Uhr endet diese Sitzung der Parlamentariergruppe. Von dort aus gehe ich noch zum „Spätsommerfest“ von RWE, wo ich noch Kollegen und Mitarbeiter treffe, mit denen wir uns über aktuelle Themen unterhalten. Hier treffe ich auch einen Gesprächspartner von RWE-DEA, mit dem ich bereits in Husum über die Planungen zur seismischen Erkundung in Nordfriesland Kontakt gehabt hatte.

Kurz vor Mitternacht bin ich in meiner Wohnung und freue mich auf den Feierabend.

Donnerstag, 25. September: Da der normalerweise um 08.00 Uhr tagende Arbeitskreis Küste kurzfristig abgesagt wurde, beginne ich den Tag mit Büroarbeit um 08.00 Uhr. Kurz vor 09.00 Uhr gehe ich ins Plenum, wo der Finanzminister Steinbrück eine sehr beeindruckende Regierungserklärung zur Lage der Finanzmärkte abgibt. Oskar Lafontaine polemisiert auf unerträgliche Weise und doziert von oben herab. Dabei hatte er als Finanzminister selber die Chance, bei den Finanzmärkten mit zu gestalten. Damals, 1999, war er aber aus der Verantwortung geflohen und hatte sich still vom Acker gemacht.

Um 11.00 Uhr bin ich wieder im Büro, erledige kurze Büroarbeit, bevor ich zu einer Veranstaltung mit Expertengespräch zum Thema „Ausbau der Stromleitungsnetze“ gehe. Ich werbe dort nochmals für die Interessen meines Wahlkreises, für eine Erdkabellösung auf der 110 kV-Ebene im 20 km-Küstenstreifen. Dies ist Thema einer aktuellen Gesetzgebung, bei der ich mich für eine Konkretisierung einsetze, mit der insbesondere das Projekt Breklum - Flensburg einer Erdkabellösung näher gebracht werden soll. Hier gibt es massivste Widerstände unterschiedlichster Interessenlagen. Ich werde aber nicht müde, für dieses Projekt meines Wahlkreises zu kämpfen.

Während der Veranstaltung tönen Signale: Wir werden zu einer namentlichen Abstimmung ins Plenum gerufen. Also verlassen die Abgeordneten die Veranstaltung, ich auch.

Nach der namentlichen Abstimmung geht es wieder zurück ins Büro. Hier kann ich Telefonate erledigen, u. a. mit dem Wirtschafts- und Verkehrsminister Marnette in Kiel. Er sagt mir zu, alles in seiner Möglichkeit stehende zu tun, um die Planungsabläufe für den Ausbau der B5 zu beschleunigen. Innerhalb der nächsten zehn Tage will er den Gesamtverhalt einer erneuten Prüfung unterziehen, um alle Verfahrensbeschleunigungen auszuschöpfen. In gleicher Sache telefoniere ich mit dem zuständigen Abteilungsleiter seines Ministeriums, mit der Staatskanzlei und mit der Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion, Astrid Damerow, die über dieses Thema in der Kreistagssitzung am folgenden Tag zu diskutieren hat. So kann ich sicherstellen, dass meine Parteifreunde in der Kreistagspolitik aktuell informiert sind.

Ich nehme letzte Korrekturen am Redeentwurf zum Thema Munitionsaltlasten in der Nord- und Ostsee vor und gehe ins Plenum. Dort bin ich bei einer Debatte dabei, bei der es um ein neues Vergaberecht geht. Hier haben insbesondere die Kommunen eine spezielle Interessenlage, dass interkommunale Zusammenarbeit nicht behindert wird und mehr kommunale Selbstverwaltungsentscheidungen beim Umgang mit gemeindlichen Grundstücken möglich werden. Meine Rede gebe ich beim Sitzungspräsidium ab.

Zurück im Büro erledige ich weitere Telefonate und lese Unterlagen für die nächsten Termine. Außerdem schließe ich die Vorbereitung meiner Rede ab, die ich am Sonnabend in der Wahlkreismitgliederversammlung halten werde. Dort steht immerhin meine erneute Nominierung als Bundestagskandidat auf dem Programm.

Ich besuche noch kurz eine Veranstaltung zum Thema CCS, bevor ich um 20.15 Uhr im Plenum an der Debatte über den tourismuspolitischen Bericht der Bundesregierung teilnehme. Kurz nach 21.00 Uhr ist diese Debatte zu Ende, Plenum geht zwar weiter, aber ich gehe nochmals ins Büro zur Abarbeitung aufgelaufener Vorgänge.

Freitag, 26. September: Mein Tag beginnt mit einer Frühstücksrunde mit jungen Leuten, die an den 17. Tagen der Begegnung teilnehmen. Dies ist eine Veranstaltungsreihe, die von christlich engagierten Abgeordneten organisiert wird, zu der junge Leute aus ganz Deutschland nach Berlin kommen, um hier Politik zu erfahren. Um 09.00 Uhr nehme ich im Plenum an der Debatte über das Kinderförderungsgesetz teil, dem ich zustimme. Von dort aus geht es zur Sitzung der Bundesfachkommission Umweltpolitik des Wirtschaftsrates der CDU. Insbesondere die europapolitischen Diskussionen über Umwelt- und Klimapolitik stehen in dieser Sitzung auf dem Programm. Am Mittag verabschiede ich eine Praktikantin, die zum zweiten Mal in meinem Büro in Berlin gearbeitet hat: Benthe Libner von der Insel Amrum, zurzeit Studentin der Politikwissenschaften in Kiel, hat wieder hilfreiche Unterstützung geleistet. Sie ist engagiert, politisch versiert und inzwischen eine gute Stütze geworden.

Noch kurz Schreibtischaufräumen, dann geht es zum Zug und zurück nach Sylt. Das bevorstehende Wochenende wird nicht politikfrei sein. Um 08.34 Uhr geht es am Sonnabend mit dem Zug nach Husum zur Wahlkreismitgliederversammlung. Vor drei Jahren hatte ich mich gegen vier Mitbewerber innerhalb der CDU als Bundestagskandidat durchsetzen müssen. Diesmal bin ich einziger Bewerber. Insofern kann ich es etwas gelassener angehen, aber eine gewisse Anspannung ist trotzdem immer mit dabei. Schließlich entscheidet sich durch diese Nominierung, ob ich die Chance erhalte, für weitere vier Jahre das Mandat im Deutschen Bundestag wahrzunehmen und für meine Heimat politisch tätig zu sein. Für den Abend habe ich mich zusammen mit meiner Frau beim Oktoberfest in Leck angemeldet, ein großes Bürgerfest, das zusammen mit der Bundeswehr auf dem Flugplatz veranstaltet wird.

Ich hoffe, dass zumindest der Sonntag – abgesehen von etwas Arbeit am Schreibtisch mit Vorbereitung auf Termine der kommenden Woche – für die Familie frei bleiben kann.

 

www.ingbert-liebing.de

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